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29. April 2011

TV-Tipps: Die drei Begräbnisse der schönen Kokosnuss

Auch in der nächsten Woche möchte ich euch bei eurer Suche nach guter Fernsehunterhaltung unterstützen. Wie immer gilt: Geheimtipps stelle ich vor, sofern ich sie kenne - Blockbuster sind nur zweite Wahl. Nach wie vor freue ich mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag oder einfach nur einen Kommentar zu den gewählten Filmen. Die nächste Woche wird bestimmt von zahlreichen Blockbustern aus Amerikas Filmschmiede Nr. 1. Dennoch bin ich mir sicher, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein wird, denn alle erwähnten Filme gehören aus meiner Sicht zu den besten ihres jeweiligen Genres...


Samstag, 30.04.2011:

ARD, 23.45 Uhr: Death Proof (mit Kurt Russell)
Wenn Quentin Tarantino und Robert Rodriguez auf die Idee kommen, das fast in Vergessenheit geratene Genre der Grindhouse-Filme wiederzubeleben, kann das Ergebnis nur polarisieren. Und tatsächlich: Death Proof, Tarantinos Anteil am Grindhouse-Projekt, ist herrlich abgefahren, beinhaltet absichtlich zahlreiche Bild- und Tonfehler und hat mir auch deshalb großen Spaß bereitet. Wenn Stuntman Mike (Kurt Russell) mit seinem getunten Raser Miezen meuchelt und dabei immer wieder die für den Regisseur typischen ausufernden Dialoge über Gott und die Welt zu hören sind, bin ich voll dabei!

Sonntag, 01.05.2011:

KABEL 1, 20.15 Uhr: A Beautiful Mind (mit Russell Crowe und Ed Harris)
Der hochbegabte, aber verhaltensauffällige Mathematikstudent John Nash (Russell Crowe) wandelt ständig auf dem schmalen Pfad zwischen Genie und Wahnsinn. Und das war‘s - mehr wird nicht verraten, sonst ist die Spannung raus. Ich kann euch dieses spannende und intensive Thriller-Drama jedenfalls nur wärmstens ans Herz legen. Auch wenn nicht jeder Aspekt von John Nashs Leben eingefangen wurde, kann der auf wahren Tatsachen beruhende Film absolut überzeugen. Unbedingt ansehen! Mein Highlight des Wochenendes!

Montag, 02.05.2011:

MDR, 0.15 Uhr*: John Q. - Verzweifelte Wut (mit Denzel Washington und Robert Duvall)
John (Denzel Washington) wird aus lauter Verzweiflung zum Geiselnehmer in einem Krankenhaus, um die Herztransplantation seines Sohnes trotz fehlender Versicherung zu erpressen. Dieses Thriller-Drama ist allein schon wegen des wunderschönen Ave Maria zu Beginn sehenswert. Doch auch die Darsteller, Emotionen und das geniale Ende können überzeugen - auch wenn Hollywood manchmal etwas zu stark an der Gefühlsschraube dreht.


Dienstag, 03.05.2011:

KABEL 1, 0.50 Uhr*: Duell - Ememy at the Gates (mit Jude Law und Ed Harris)
Schon wieder Ed Harris: Diesmal spielt er den deutschen Major König, der im Zweiten Weltkrieg auf den russischen Scharfschützen Saitsev (Jude Law) angesetzt wird. Großartiger Film über zwei beinahe unsichtbare Tötungsmaschinen, der allerdings keine Geschichtsstunde ist - dafür ist zu viel frei erfunden.

Mittwoch, 04.05.2011:

SWR, 23.00 Uhr: Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (mit Tommy Lee Jones)
Der Arbeiter Pete (Tommy Lee Jones) steht zu seinem Wort: Er versprach seinem Freund, dem illegalen Einwanderer Melquiades Estrade - sollte dieser sterben , dessen Leiche nach Mexiko zu bringen - ein kompliziertes Vorhaben. Das Regiedebüt des Hauptdarstellers ist humorvoll, ungewöhnlich und spielt gekonnt mit der Wahrnehmung des Zuschauers. Sehenswert.

Donnerstag, 05.05.2011:

VOX, 22.45 Uhr: American History X (mit Edward Norton)
Der ehemalige Neonazi Derek (Edward Norton) versucht nach jahrelanger Haft, seinen Bruder Denny (Edward Furlong) von dessen Vorhaben abzuhalten, in die rassistischen Fußstapfen des Vorbildes zu treten. Schauspielerisch ist das absolut herausragend, filmisch genial. Ich wüsste nicht, was man an diesem Film hätte besser machen könnte. Zweifelsohne mein Highlight der Woche!

Freitag, 06.05.2011:

VOX, 01.25 Uhr*: Good Will Hunting (mit Matt Damon, Ben Affleck und Robin Williams)
Wegen seiner sozialen Inkompetenz ist Will (Matt Damon) lediglich Putzkraft an einer Universität. Außerdem versucht sein Psychiater (Robin Williams) alles, um ihn auf die rechte Bahn zu lenken. Trotz bester Kritiken gilt das Drama immer noch als Geheimtipp. Für ich unverständlich: Wer das Genre mag, kommt meines Erachtens an Gus van Sants Regiearbeit nicht vorbei.

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Die Entschuldigung der Woche…


… geht an Monty Python
Am Montag wurden die tapferen Ritter der Kokosnuss (ARTE, 20.15 Uhr) von John Q. in die Flucht geschlagen, drei Tage später verlor Das Leben des Brian (erneut auf ARTE, erneut um 20.15 Uhr) ganz knapp gegen „American History X“. Doch vor allem die am Donnerstag ausgestrahlte Persiflage auf das Leben Jesu Christis ist so herrlich absurd und unglaublich komisch, dass sie nicht unerwähnt bleiben darf. Ich bitte zutiefst um Verzeihung, dass es jeweils nicht zum Tagestipp gereicht hat. Ich pöser Widerporst!

Der Untipp der Woche:

Collateral Damage - Zeit der Vergeltung (Samstag, PRO 7, 22.55 Uhr)
Arnold Schwarzenegger, die Ein-Mann-Armee, jagt bösen Buben bis nach Kolumbien hinterher. Diese Karikatur einer echten Story ist aber noch lange kein Grund, einen solch strunzdoofen Film abzuliefern. Wer genauer wissen möchte, warum hier letztlich der qualitätsverwöhnte Zuschauer als titelgebender Kollateralschaden zurückbleibt, kann sich ja die erste Folge meines inzwischen bereits seit einiger Zeit still gelegten Podcasts anhören, in welchem ich genauer auf den Action-Kracher eingehe - doch erwartet keine allzu positiven Worte…

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Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Montag läuft also in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Top-Sender der Woche: KABEL 1 und VOX (je zwei Empfehlungen)

Hollywood, wohin das Auge schaut. Dennoch eine großartige Fernsehwoche! Was meint ihr?

25. April 2011

DVD-Kritik: Antikörper

Genre: Thriller Originaltitel: Antikörper Produktion: D 2005 Regisseur: Christian Alvart Darsteller: Wotan Wilke Möhring, André Hennicke, Heinz Hoenig, Ulrike Krumbiegel, Hauke Diekamp, Jürgen Schornagel, Nina Proll, Hans Diehl FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Kinowelt

Der Dorfpolizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) sucht seit Jahren nach dem Mörder eines jungen Mädchens. Als in Berlin ein pädophiler Serienkiller gefasst wird, reist er dorthin. Und obwohl er keine Erfahrung mit solchen Verhörsituationen hat, scheint er einen Draht zu dem äußerst intelligenten Massenmörder Gabriel Engel (André Hennicke) zu haben. Dieser gesteht über zehn Morde, nur den an dem Mädchen nicht…

Spontan könnte man meinen, es handle sich bei „Antikörper“ um ein billiges deutsches Plagiat zu „Das Schweigen der Lämmer“. Doch weit gefehlt: Regisseur Christian Alvart versteht es geschickt, mit orchestral-sphärischer Musik, guten Surround-Effekten und einem tollen Erzähler, von der ersten Minute an eine unheimliche und spannende Stimmung aufzubauen. Lediglich das grieselige Bild fällt etwas ab. Die Dialoge sind dagegen gewitzt, intelligent und auch reizen auch sprachlich die Alterseinstufung voll aus. Es gibt übrigens auch eine nette Anspielung auf Hannibal Lecter, das vermeintliche filmische Vorbild.


Schade, dass nicht alle Schauspieler das hohe Niveau des Drehbuches halten können. Vor allem bei Wotan Wilke Möhring meint man immer wieder, er spiele ein Theaterstück, so nah agiert er am (stimmlichen) Overacting. André Hennecke überzeugt dagegen als perfider Killer größtenteils, was vieles rettet. Alles in allem spielt „Antikörper“ mit den vielschichtigen Elementen, die einen guten Thriller ausmachen: Geschickt wurden unvorhersehbare Wendungen eingebunden, die Spannung steigert sich zusehends. Es ist toll, einen Thriller zu sehen, der auch erfahrene Genrefans zu überraschen vermag. Wären die Schauspieler besser, hätte dieser Film die Note „sehr gut“ erhalten. So reicht es immerhin zu einer verdienten Zwei. Ansehen!

Bild: befriedigend
Ton: sehr gut
Synchronisation: -
Musik: gut
Schauspielerische Leistung: befriedigend
Drehbuch/Regie: sehr gut
Kamera: gut
Extras: - (siehe „Anmerkung“ weiter unten)

Filmwertung: GUT – Note 2,2



Anmerkung: Getestet wurde der Film als Beileger des SFT-Magazins 05/11, das ab Mittwoch (27. April) bis Ende Mai für 4,50 € am Kiosk zu haben ist. Außerdem sind auf dem Silberling drei Trailer und die Komödie „Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit“ enthalten, die ich bereits rezensiert habe. Wer mehr über die Zeitschrift und die weiteren Inhalte erfahren möchte, klickt hier oder hier.

DVD-Kritik: Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit

Genre: Komödie Originaltitel: Assassination of a High School President Produktion: USA 2008 Regisseur: Brett Simon Darsteller: Mischa Barton, Reece Thompson, Bruce Willis, Josh Pais, Kathryn Morris FSK: ab 16 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): Capelight / Universum

Bobby Funke (Reece Thompson) möchte unbedingt an einem renommierten College Journalismus studieren und bezichtigt den Schülersprecher in einem aufsehenerregenden Bericht als den gesuchten Dieb der Zulassungsarbeiten, die dem Rektor (Bruce Willis) gestohlen wurden. Doch Bobby merkt bald, dass der Beschuldigte vielleicht doch nur ein kleines Mosaiksteinchen in einer Sache viel größeren Ausmaßes war. Er geht der Sache auf den Grund, erfreut sich aber auch an seinem neuen Leben an der Seite der begehrten Francesca (Mischa Barton)…

Was etwas holprig wie eine Mischung aus Drama und Komödie beginnt, entwickelt sich mehr und mehr zum spaßigen Thriller. Dabei wird der Zuschauer von Bobbys Erzählerstimme aus dem Off geleitet. Dies mag ich ebenso sehr wie Highschool-Filme im Allgemeinen. Daher verzeihe ich auch gerne kleinere Schwächen, etwa seltene Logiklöcher, oberflächliche Charaktere und das absehbare Ende. Der durchaus witzige Bruce Willis ist zwar nicht sehr häufig zu sehen, doch überzeugt auch der restliche Cast mit einigen halbwegs bekannten Gesichtern aus der zweiten Reihe talentierter Jungschauspieler.

Zwar ist der Streifen mit dem außergewöhnlich langen Titel nicht so lustig wie intendiert, allein der Spanischlehrer (Josh Pais) sorgt aber für viele Lacher, die bereits das Ansehen lohnen. Technik und Synchronisation der Silberscheibe wissen ebenso zu gefallen, weshalb „Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit“ für einen unanstrengenden Filmnachmittag oder -abend durchaus geeignet ist. Man sollte aber wie ich mit eher geringen Ansprüchen herangehen, da sonst die eine oder andere Enttäuschung droht.

Bild: gut
Ton: gut
Synchronisation: gut
Musik: befriedigend
Schauspielerische Leistung: gut
Drehbuch/Regie: befriedigend
Kamera: gut
Extras: - (siehe „Anmerkung“ weiter unten)

Filmwertung: BEFRIEDIGEND – Note 2,9



Anmerkung: Getestet wurde der Film als Beileger des SFT-Magazins 05/11, das ab Mittwoch (27. April) bis Ende Mai für 4,50 € am Kiosk zu haben ist. Außerdem sind auf dem Silberling drei Trailer und der Thriller „Antikörper“ enthalten, den ich ebenfalls rezensiert habe. Wer mehr über die Zeitschrift und die weiteren Inhalte erfahren möchte, klickt hier oder hier.

20. April 2011

TV-Tipps: Passion und Untergang der künstlichen Intelligenz



Auch in der nächsten Woche möchte ich euch bei eurer Suche nach guter Fernsehunterhaltung unterstützen. Wie immer gilt: Geheimtipps stelle ich vor, sofern ich sie kenne - Blockbuster sind nur zweite Wahl. Nach wie vor freue ich mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag oder einfach nur einen Kommentar zu den gewählten Filmen. Wie immer gibt es während der Osterfeiertage viele interessante Programme, weshalb ich Euch nur raten kann, einen genauen Blick in die Fernsehzeitschrift eures Vertrauens zu werfen. Etwa konnte ich dem sehr guten Johnny-Cash-Biopic „Walk the Line“ (Sonntag, RTL II, 20.15 Uhr) keinen Platz einräumen…

Samstag, 23.04.2011:

KABEL 1, 22.05 Uhr: Die Passion Christi (mit James Caviezel und Monica Bellucci)
Mel Gibsons Verfilmung der letzten Tage Jesus Christis sind polarisierend wie kaum ein anderer Film: „Die Passion Christi“ ist hammerhart und überaus blutig. Gleichzeitig überzeugt aber die Leistung der Darsteller, die unglaubliche Intensität des Gezeigten sowie der stets passende Soundtrack. Genial ist der Verzicht auf westliche Synchronfassungen, gesprochen wird lediglich Aramäisch, Hebräisch und Latein - natürlich mit deutschen Untertiteln. Dieses monumentale Epos von ungeahnter Größe war für mich die beeindruckendste Filmerfahrung, die ich je hatte. Damit ist die folgende Ellipse keine Überraschung: Mein Highlight der Woche!

Sonntag, 24.04.2011:

BR, 22.30 Uhr: Paris, je t‘aime (mit Juliette Binoche, Steve Buscemi, Willem Dafoe, Elijah Wood, Natalie Portman und vielen, vielen mehr)
In 115 Minuten werden gleich 18 Episoden gezeigt, die von unterschiedlichen Regisseuren - unter anderem von Joel und Ethan Coen sowie Gérard Depardieu - in verschiedenen Stadtteilen gedreht wurden. Es geht dabei jeweils dem Titel entsprechend um Paris und die Liebe. Leider sah ich diesen Episodenfilm selbst noch nicht, kann also keine Wertung aussprechen. Aber ich bin mir sicher, dass „Paris, je t‘aime“ eine lohnende Filmerfahrung ist.

Montag, 25.04.2011:

RTL, 22.00 Uhr: Zodiac - Die Spur des Killers (mit Robert Downey Jr. Und Jake Gyllenhaal)
Die wahre Geschichte des amerikanischen Serienkillers, der im San Fransisco der späten 60er Jahre sein Unwesen trieb, wurde von David Fincher spannend verfilmt. Zwar hätte dem Streifen die eine oder andere weitere Freiheit gut getan, doch gehört er nach „Fight Club“ und „Sieben“ zu den besten Werken des Regisseurs.

Dienstag, 26.04.2011:

SAT. 1, 20.15 Uhr: FC Schalke 04 - Manchester United (Anstoß: 20.45 Uhr)
Keine Frage: Steht ein deutscher Verein im Halbfinale der europäischen Königsklasse, ist dies das Highlight des Tages. Nach dem ebenso überraschenden wie hochverdienten Sieg gegen Inter Mailand im Viertelfinale (5:2 und 2:1) wartet nun erneut ein harter Brocken auf die Gelsenkirchener - und auf uns vielleicht erneut ein spannendes Fußballfest.

Mittwoch, 27.04.2011:

RBB, 22.45 Uhr: Der Untergang (mit Bruno Ganz und Alexandra Maria Lara)
Nach den letzten Tagen im Leben Jesus (siehe Samstag) erlebt man in Oliver Hirschbiegels Kriegsfilm das Ende von Adolf Hitler und dessen Nazi-Regime. Bruno Ganz brilliert als ein von Parkinson gezeichneter, verblendeter Despot, der hier aber auch ein menschliches Gesicht erhält. Dabei wechseln sich die engen Aufnahmen im Führerbunker mit Bildern der letzten Schlachten ab, in denen vor allem Kinder und Jugendliche die Frontlinien verteidigen sollten. Das ist eindringlich, aufwühlend und gehört zum Besten, was der deutsche Film zu bieten hat.

Donnerstag, 28.04.2011:

KABEL 1, 01.05 Uhr*: A.I. - Künstliche Intelligenz (mit Haley Joel Osment und Jude Law)
Wirklich schade, dass es in den letzten Jahren so ruhig um Haley Joel Osment geworden ist. Nach „The Sixth Sense“, „Das Glücksprinzip“, „Löwen aus zweiter Hand“ und eben „A.I.“ war ich von einer erfolgreichen Karriere des Jungschauspielers überzeugt. Doch leider wurde es in den letzten Jahren ruhig um den inzwischen 23-Jährigen. Hier überzeugt er als erster Roboterjunge mit menschlichen Gefühlen. Steven Spielberg übernahm nach Stanley Kubricks Tod dessen Projekt und inszenierte ein visuell wie erzählerisch gelungenes Science-Fiction-Drama, das übrigens auch am Vorabend zur besten Sendezeit zu sehen ist.

Freitag, 29.04.2011:

WDR, 23.15 Uhr: Die Klasse
Wie schafft man es, die Ruhe zu bewahren, wenn der eigene Unterricht ständig boykottiert wird? Ist ein Verweis für Problemschüler wirklich sinnvoll? Wer wissen möchte, wie der Zustand öffentlicher Schulen heutzutage ist und warum ich mein Lehramtsstudium abbrach, findet hier sicherlich einen Teil der Antwort. „Die Klasse“ ist ein unfassbar realistisches Drama über eine französische Schulklasse und ihren engagierten, aber oftmals machtlosen Lehrer.

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Der Untipp der Woche:

Dieter - Der Film (Dienstag, Super RTL, 20.15 Uhr)

Länger als fünf Minuten konnte ich dieses Machwerk aus der Hölle nicht ertragen. Allein schon, dass das Leben des so talentfreien wie erfolgreichen Dieter Bohlen in Comic-Form verfilmt wurde, sollte jedem zu denken geben. Ich weiß nicht, ob er eine Marionette von RTL ist oder ob es umgekehrt ist. Dagegen kann man mit Sicherheit sagen, dass seine Casting-Shows zum Widerlichsten zählen, was das hiesige Fernsehen zu bieten hat. Dass sich dennoch Jahr für Jahr so viele Intelligenzallergiker als Kandidaten zur Verfügung stellen und noch mehr diesen Murks auch noch sehen, bestätigt Albert Einstein einmal mehr, der sagte: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Donnerstag läuft also in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag.

Top-Sender der Woche: KABEL 1 (zwei Empfehlungen)

Eine großartige Fernsehwoche erwartet uns! Was meint ihr?

19. April 2011

Note 1 - Die Besten: Wie im Himmel

Genre: Drama Originaltitel: Så som i himmelen Internationaler Alternativtitel: As it is in Heaven Produktion: Schweden 2004 Regisseur: Kay Pollak Darsteller: Michael Nyqvist, Frida Hallgren, Helen Sjöholm, Lennart Jähkel, Ingela Olsson FSK: ab 12 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Filmcovers): Paramount

Es gibt diese Filme, die objektiv unglaublich schwer zu bewerten sind. Diese Filme, die einen persönlich so sehr mitreißen, dass der Eindruck nur subjektiver Natur sein kann. „Wie im Himmel“ gehört dazu. Es ist einer dieser polarisierenden Streifen: Die einen finden ihn toll geschrieben, toll gespielt. Andere sind der Meinung, dass er zu manipulativ auf die Tränendrüse drückt. Aber eigentlich ist es doch bei den meisten großartigen Filmen so: Es gibt immer Menschen, die dies ganz und gar nicht nachvollziehen können.

Zur Story: Der berühmte Dirigent Daniel Dareus (Michael Nyqvist) kehrt wegen gesundheitlicher Probleme zurück nach Schweden in sein Heimatdorf. Dort übernimmt er die vakante Stelle des Kantors und damit auch den Kirchenchor. Doch die verschiedenen Ansprüche des Profis und der Mitglieder des Laienchores führen immer wieder zu Problemen, ebenso private Konflikte, eine entstehende Liebe und die vielen Neider, allen voran der Pastor der Gemeinde.
Schon als ich noch ein kleiner Junge war, wollte ich immer nur eine Musik machen, die die Herzen der Menschen öffnet. Das war mein Traum. (Daniel Dareus)
Regisseur Kay Pollak löste die schwere Aufgabe, dem Zuschauer die zahlreichen Figuren nachvollziehbar zu erklären und näher zu bringen, mit Bravour. Zwar kann man bei der schieren Masse nicht jedem Charakter die Tiefe anderer Independent-Produktionen verleihen. Dennoch gelingt es problemlos, sich in die vielen unterschiedlichen Situationen und Gefühlslagen hinein zu versetzen: man freut sich, lacht und vielleicht verdrückt man auch hin und wieder eine Träne. Jedenfalls bleibt man eines nicht: unberührt. Der dramatische Verlauf der Geschichte tut sein übriges dazu, den Zuschauer vollends in den Bann zu ziehen. Dabei wird das Ende sicherlich nicht jeden befriedigen. Nach reiflicher Überlegung, welche Alternativen man hätte implementieren können, halte ich den gewählten Schluss jedoch für absolut passend.


Filmisch ist also alles einwandfrei. Und auch die Darsteller überzeugen durch die Bank. Michael Nyqvist, der auch in der Verfilmung von Stieg Larssons Millenium-Trilogie die Hauptrolle übernahm, spielt dabei gewohnt gut, lässt aber auch den teilweise weniger bekannten Gesichtern den nötigen Spielraum. Die Kamera fängt Handlung und Landschaften hervorragend ein und betont dadurch auch den eigentlichen Protagonisten des Films: Die Musik. Das Repertoire reicht von klassischen Orchesterstücken über Kirchenlieder und spaßiger Folklore bis hin zu gefühlvollen Solo-Stücken.

Wer selbst noch nie in einem Chor war, könnte dabei die ungeheure Faszination, die von diesem Drama ausgeht, unter Umständen nur bedingt verstehen. Eine Chance hat dieses Meisterwerk des europäischen Kinos aber auf jeden Fall verdient. Doch Vorsicht: „Wie im Himmel“ lädt jeden, der sich der Wirkung nicht verschließt, auf einen emotionalen Parkours ein, an dessen Ende man noch einige Minuten benötigt, um das Gesehene zu verarbeiten. Und dann am liebsten noch mal von vorn beginnen möchte. All das macht einen herausragenden Film aus. Daher verleihe ich heute erstmals die Bestnote. Und das - zumindest aus meiner subjektiven Sicht - völlig zurecht!

Filmwertung: SEHR GUT – Note 1,0



Anmerkung: So man weder Schwedisch versteht noch Untertitel lesen möchte, kann man auch getrost auf die deutsche Synchronfassung setzen, die durchaus zu überzeugen weiß. Aufgrund der interessanten Extras empfehle ich übrigens die Anschaffung der Doppel-DVD-Fassung, welche allerdings nur noch selten zu haben ist. Wer kostenlos weitere Informationen wünscht, kann sich hier das Presseheft ansehen, in dem unter anderem ein Interview mit dem Regisseur Kay Pollak, Hauptdarsteller Michael Nyqvist sowie Frida Hallgren zu lesen ist.

15. April 2011

TV-Tipps: Die Queen erlebt auf einem roten Drachen eine Geschichte der Gewalt in Twin Peaks



Auch in der nächsten Woche möchte ich euch bei eurer Suche nach guter Fernsehunterhaltung unterstützen. Wie immer gilt: Geheimtipps stelle ich vor, sofern ich sie kenne - Blockbuster sind nur zweite Wahl. Nach wie vor freue ich mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag oder einfach nur einen Kommentar zu den gewählten Filmen. In den kommenden Tagen legt zunächst RTL II mit den Empfehlungen für Samstag und Sonntag gut vor, wird aber schließlich doch vom ZDF eingeholt, das ganze drei Tipps verbuchen kann. Aus der Reihe der hochklassigen Filme fällt lediglich der Start von Twin Peaks, David Lynchs polarisierender Mystery-Serie, heraus - und wird zum Highlight der Woche.

Samstag, 16.04.2011:

RTL II, 22.20 Uhr: A History of Violence (mit Viggo Mortensen und Ed Harris)
David Cronenbergs Geschichte der Gewalt ist für mich sein mit Abstand bestes Werk. Der Film um einen Familienvater, welcher zum Mörder wird, ist rau, hart, anders - und äußerst sehenswert.

Sonntag, 17.04.2011:

RTL II, 20.15 Uhr: Das Leben des David Gale (mit Kevin Spacey und Kate Winslet)
Ein Psychologie-Professor (Kevin Spacey) wird zum Tode verurteilt. Nur eine Journalistin (Kate Winslet) sucht verzweifelt nach Beweisen für dessen Unschuld. Dieses Drama besticht nicht nur durch herausragende Schauspieler, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht.

Montag, 18.04.2011:

ZDF, 22.15 Uhr: Roter Drache (mit Anthony Hopkins und Edward Norton)
Trotz Edward Norton ist die Vorgeschichte von „Das Schweigen der Lämmer“ und „Hannibal“ der wahrscheinlich schwächste Titel der Trilogie um einen hochintelligenten Serienkiller. Anthony Hopkins überzeugt in seiner Paraderolle dennoch vollkommen; allein seine Darstellung macht den Film sehenswert.

Dienstag, 19.04.2011:

ARTE, 22.00 Uhr: Twin Peaks
Yeehaw: „Twin Peaks“ is back! Wer David Lynch mag, wird diese Serie lieben! Der Regie-Großmeister erzählt die Suche nach dem Mörder einer jungen Frau so vielschichtig und mitreißend, dass ich jede einzelne Folge verschlungen habe. Die Mischung aus Seifenoper, Mystery und Krimi ist sicherlich nicht Jedermanns Sache, war aber bei der Erstausstrahlung in Deutschland durchaus ein Erfolg für RTL. Der damals größte Konkurrent SAT. 1 sorgte daher für einen Skandal, als er in seinem Videotext Lauras Mörder bekannt gab. Zwar ist bei „Twin Peaks“ ganz klar der Weg das Ziel, in Krimi-Deutschland aber zählt die Auflösung des Täters natürlich mehr. Wer die Serie nicht kennt, sollte zumindest dem Pilotfilm und der im Anschluss folgenden ersten Episode eine Chance geben. Mein Highlight der Woche!

Mittwoch, 20.04.2011:

KABEL 1, 22.35 Uhr: Equilibrium (mit Christian Bale und Taye Diggs)
Science-Fiction ist ganz klar keines meiner favorisierten Genres. Dennoch zähle ich „Equlibrium“ zu meinen Lieblingsfilmen. In einem Staat der Zukunft werden Gefühle durch Drogen unterdrückt, um Kriege zu verhindern. Wer trotzdem fühlen will, wird getötet. John Preston (Christian Bale) ist einer der Jäger im Auftrag der Regierung - bis er selbst auf seine Dosis verzichtet und zum Gejagten wird. Kurt Wimmer schaffte es, mit minimalem Budget einen filmisch und sogar technisch überzeugenden Streifen zu erschaffen, in welchem Schauspieler, Musik, Kamera und Kampfchoreographien vollkommen überzeugen.

Donnerstag, 21.04.2011:

ZDF, 22.15 Uhr: Die Queen (mit Helen Mirren)
Dieses Drama um die britische Königin und ihre Trauerbewältigung nach Lady Dianas Tod im Jahre 1997 überzeugte auch die Jury der Academy Awards, die Helen Mirrens Leistung mit einem Oscar belohnten. Ob der Film allerdings so sehenswert ist, wie viele Kritiker vermuten lassen, werde ich erst in der Nacht zum Freitag beurteilen können - wenn ich den Film erstmals gesehen habe.

Freitag, 22.04.2011:

ZDF, 22.55 Uhr: There will be Blood
Wieder das ZDF, wieder ein Drama, wieder wurde der Hauptdarsteller mit einem Oscar ausgezeichnet - und wieder habe ich den dazugehörigen Film noch nicht gesehen. Den filmischen Geheimtipp um den Kampf eines Ölbarons (Daniel Day-Lewis) gegen einen Prediger (Paul Dano) werde ich mir dennoch nicht entgehen lassen, auch deshalb, weil die von mir sehr geschätzte Seite Filmstarts.de dieser Free-TV-Premiere bescheinigt, „seinen Platz in der Geschichte des Films finden“ zu werden.

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Der Untipp der Woche:


American Psycho 2
Der Nachfolger der großartigen Action-Groteske um einen serienmordenden Yuppie (im ersten Tel verkörpert von Christian Bale) reiht sich nahtlos in die lange Reihe der Filme ein, die weder eines zweiten Teiles bedurft hätten, noch mit dem Cast des jeweiligen Vorgängers aufwarten können: „Eiskalte Engel 2“, „Butterfly Effect 2“ und eben „American Psycho 2“ sind nur drei Beispiele. Man kann TELE 5 höchstens dafür dankbar sein, dass sie diesen Murks in der Nacht von Sonntag auf Montag zeigen. Erschreckend, dass sich William Shatner für diesen plumpen Versuch, mit einem guten Namen Geld zu verdienen, zur Verfügung stellte.

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Top-Sender der Woche: ZDF (drei Empfehlungen)

Ich bin schon gespannt, was ihr diesmal zu sagen habt - und welche Programm-Tipps in dieser Aufzählung nicht zu finden sind. Also ab damit in die Kommentare!

13. April 2011

DVD-Kritik: Darjeeling Limited

Genre: Roadmovie Originaltitel: The Darjeeling Limited Produktion: USA 2007 Regisseur: Wes Anderson Darsteller: Owen Wilson, Adrien Brody, Jason Schwartzman, Amara Karan, Irrfan Khan, Bill Murray, Anjelica Huston FSK: ab 6 Anbieter (und Copyrightinhaber des eingebetteten Film-Covers): 20th Century Fox

Francis (Owen Wilson) begibt sich mit seinen Brüdern Peter (Adrien Brody) und Jack (Jason Schwartman) auf eine Reise quer durch Indien. Ein Jahr ist es nun her, dass ihr Vater starb, daher plant Francis, die gemeinsame Mutter zu besuchen. Doch in der Enge des Zuges namens „Darjeeling Limited“ werden nicht nur positive Emotionen hervorgerufen. Spirituell zumindest läuft es nicht so wie geplant - und auch im zwischenmenschlichen Bereich hapert es bei den ungleichen Geschwistern gewaltig. Doch mit dem Scheitern des ursprünglichen Reiseplanes geht die Fahrt ins Ungewisse erst richtig los…

Wahlweise kann vor dem Hauptfilm das Short Feature „Hotel Chevalier“ angesehen werden, in welchem Jason Schwartman und Natalie Portman in einem Hotelzimmer reichlich… wenig erleben. Der Sinn des Ganze erschließt sich erst gegen Ende von „Darjeeling Limited“. Im Verborgenen bleibt teilweise auch Wes Andersons Intention mit seinem Regiewerk. Denn es passiert reichlich wenig. Das Gezeigte ist ab und an recht witzig und kurios, aber nie wirklich fesselnd. In der Riege wirklich guter Darsteller hat außerdem Owen Wilson nur wenig verloren. Er spielt seinen Fähigkeiten entsprechend eher so, wie es sich in einer echten Komödie angeboten hätte. Doch mit dem sanften Humor dieses Films scheint er immer wieder überfordert.

Zwar ist es beeindruckend, dass die meisten Szenen tatsächlich in einem fahrenden Zug aufgenommen wurden, doch wird man das Gefühl nicht los, dass ein einfallsreicheres Drehbuch hier deutlich mehr ermöglicht hätte. Denn bis auf einige nette Dialoge und witzige Momente weiß Anderson nicht wirklich, wie er die knapp 90 Minuten füllen soll. Er verlässt sich zu sehr auf die Eigendynamik seiner Darsteller, macht selbst zu wenig. Und auch Kamera und Musik sind gerade noch gut, versäumen es aber, den Landschaften, Städten und Figuren einen wirklich einzigartigen Charakter zu verleihen. Die Technik der DVD ist solide bis gut, neben dem Kurzfilm gibt es noch einen kaum kommentierten Blick hinter die Kulissen als Bonus auf der Silberscheibe. Wie auch für den Film gilt auch bei den Extras: Es wäre einfach mehr drin gewesen…

Bild: gut
Ton: gut
Synchronisation: - (siehe unten)
Musik: gut
Schauspielerische Leistung: gut
Drehbuch/Regie: befriedigend
Kamera: gut
Extras: gut

Filmwertung: BEFRIEDIGEND – Note 2,9



Anmerkung zur Synchronisation: Wir schalteten bald auf den Originalton um, da zwei ebenfalls im Zug reisende Damen tatsächlich Deutsch sprechen, was in der hiesigen Fassung mit einem schweizerdeutschen Dialekt eher mittelmäßig angepasst wurde. Abgesehen davon schienen die Stimmen aber passend gewählt.

8. April 2011

TV-Tipps: V wie verzweifelte Wut trifft im Viertelfinale auf eine blutige Ernte



Auch in der nächsten Woche möchte ich euch bei eurer Suche nach guter Fernsehunterhaltung unterstützen. Wie immer gilt: Geheimtipps stelle ich vor, sofern ich sie kenne - Blockbuster sind nur zweite Wahl. Nach wie vor freue ich mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag oder einfach nur einen Kommentar zu den gewählten Filmen. In der bunten Mischung aus Hollywood und Dokumentationen, Fußball und deutschem Drama dürfte erneut für jeden etwas dabei sein. PRO 7 schafft dabei die Titelverteidigung als der Sender, der die meisten Empfehlungen einstreichen kann.

Samstag, 09.04.2011:

PRO 7, 02.30 Uhr*: Die Vergessenen (mit Julianne Moore und Gary Sinise)
Nach dem vermeintlichen Unfalltod ihres Sohnes erfährt Telly (Julianne Moore), dass dieser nie existiert habe. Klar, dass Telly dies nicht akzeptiert und Beweise für die Existenz ihres Nachkömmlings sucht. Julianne Moore spielt ordentlich, die Story ist innovativ. Doch leider krankt die filmische Umsetzung an seltsamen Twists und einer allzu abgehobenen Auflösung. Das reicht nur deshalb zum Tagestipp, weil es am Samstag nahezu keine Konkurrenz gibt.

Sonntag, 10.04.2011:

PRO 7, 16.05 Uhr: Die Welle (mit Jürgen Vogel)
Wer sich dieses herausragende Drama um ein gefährlich werdendes Autokratie-Projekt an deutschen Schulen nicht bereits am Freitag zu Gemüte führte, erhält heute erneut die Gelegenheit. Unbedingt ansehen!

Montag, 11.04.2011:

NDR, 23.00 Uhr: Into the Wild
Nach wie vor fristet dieses hochgelebte Drama ein ungesehenes Dasein in meiner Sammlung. Sicherlich zu Unrecht, da ich mir absolut sicher bin, dass Sean Penns knapp zweieinhalbstündige Regiearbeit über einen Aussteiger aus dem zivilisiert-organisierten Leben äußerst sehenswert ist. Nicht zuletzt, da diese auf einer wahren Geschichte beruht.

Dienstag, 12.04.2011:

BR, 21.45 Uhr: John Q. - Verzweifelte Wut (mit Denzel Washington und Robert Duvall)
John (Denzel Washington) wird aus lauter Verzweiflung zum Geiselnehmer in einem Krankenhaus, um die Herztransplantation seines Sohnes trotz fehlender Versicherung zu erpressen. Dieses Thriller-Drama ist allein schon wegen des wunderschönen Ave Maria zu Beginn sehenswert. Doch auch die Darsteller, Emotionen und das geniale Ende können überzeugen - auch wenn Hollywood manchmal etwas zu stark an der Gefühlsschraube dreht.

Mittwoch, 13.04.2011:

SAT 1, 20.15 Uhr: FC Schalke 04 - Inter Mailand (Anstoß: 20.45 Uhr)
Nach dem überragenden 5:2 im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales möchte der letzte deutsche Vertreter im europäischen Wettbewerb natürlich das Ticket zum Halbfinale buchen. Nicht zuletzt dank der Auswärtstorregelung ist dies im heutigen Rückspiel auch sehr wahrscheinlich. Dennoch ist der Vorjahressieger Inter Mailand aufgrund der individuellen Klasse seiner Spieler keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen.


Donnerstag, 14.04.2011:

3SAT, 20.15 Uhr: Blutige Ernte
Dass es bei der Tomatenernte in Italien nicht unbedingt fair zugeht, ist allgemein bekannt. Diese Dokumentation zeigt die mitunter unmenschlichen Arbeitsbedingungen illegaler Hilfskräfte. Und sie begleitet die Polizei, die die Leiche eines Saisonarbeiters nach dessen Todesursache untersucht.

Freitag, 15.04.2011:

RTL II, 20.15 Uhr: V wie Vendetta (mit Natalie Portman und Hugo Weaving)
Der stets maskierte „V“ (Hugo Weaving) kämpft im Großbritannien der nahen Zukunft gegen ein Regime, das die Meinungsfreiheit und Kunst in jeglicher Form verbietet. „V wie Vendetta“ ist eine der besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten: spannend, tiefsinnig, gekonnt inszeniert, mit großartigem Soundtrack und tollen Darstellern. Mein Highlight der Woche.

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Der Untipp der Woche:

Karate Kid 4

Der erste Teil war klasse, der zweite noch ok, der dritte schon recht schwach. Doch erst nach dem letzten Ableger (am Sonntag um 18.15 Uhr auf KABEL 1) der namhaften Reihe um den Karatelehrer Miyagi sahen die Rechteinhaber ein, dass sie die Geduld der Fans allzu sehr strapaziert hatten und beendeten den Fortsetzungswahn. Ehe Will Smith im vergangenen Jahr auf die Idee kam, seinen Sohn und sich selbst der Lächerlichkeit Preis zu geben und ein heftig kritisiertes Remake des ersten Filmes drehte… Doch zurück zu Teil 4: Hier fehlte neben einem guten Drehbuch und dem Hauptdarsteller Ralph Macchio, der durch Hilary Swank ersetzt wurde, auch der Regisseur der ersten drei Episoden, John G. Avildsen. Gegen diesen Reinfall sind daher selbst die mitunter äußerst abgedrehten Fortsetzungen der „Eis am Stiel“-Filme wahre Meisterwerke - Teil 3 und 4 laufen am Sonntagvormittag übrigens auf RTL II.

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Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Samstag läuft also in der Nacht von Freitag auf Samstag.

Top-Sender der Woche: PRO 7 (zwei Empfehlungen)

Passt die Mischung oder habt ihr eure ganz eigenen Tipps, mit welchen Programmen man sich die kommende Fernsehwoche versüßen kann? Dann ab damit in die Kommentare!

1. April 2011

TV-Tipps: Lolita treibt um 11:14 Uhr auf einer Welle durch das Glück der Anderen



Auch in der nächsten Woche möchte ich euch bei eurer Suche nach guter Fernsehunterhaltung unterstützen. Wie immer gilt: Geheimtipps stelle ich vor, sofern ich sie kenne - Blockbuster sind nur zweite Wahl. Nach wie vor freue ich mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag oder einfach nur einen Kommentar zu den gewählten Filmen. Trotz des Starts mit drei Hollywood-Filmen setzen sich überraschenderweise ganze vier deutsche Produktionen an die Spitze - manche aus Mangel an sehenswerter Konkurrenz, andere, weil sie es schlicht verdient haben.

Samstag, 02.04.2011:

BR, 23.40 Uhr: Lolita (mit Jeremy Irons und Melanie Griffith)
Das 1997 entstandene Remake des 36 Jahre älteren, gleichnamigen Dramas von Stanley Kubrick steht dem Original in nichts nach, macht aber auch nichts wirklich besser. Die Geschichte um einen Literaturprofessor, der eine Affäre mit der zwölfjährigen Lolita (Dominique Swain) beginnt, wird recht getragen erzählt, vermag aber dennoch zu fesseln. Allerdings nimmt man der damals siebzehnjährigen Lolita-Darstellerin trotz Zahnspange und Zöpfen ihr Filmalter einfach nicht ab.

Sonntag, 03.04.2011:

PRO 7, 20.15 Uhr: 21 - Der Blackjack-Coup (mit Kevin Spacey)
Es fiel mir schwer, einen Film zu empfehlen, der am Sonntag um 20.15 Uhr auf einem Privatsender läuft. Knapp eine halbe Stunde Werbung und ein wahrscheinlich fehlender Abspann schmälern einfach den Filmgenuss. „21“ ist aber so gelungen, dass er sich den Status als Tagestipp verdient hat. Kevin Spacey instrumentalisiert eine Gruppe Studenten, um mit ihm in diversen Casinos ganz groß abzuräumen. Das ist spannend, kurzweilig und somit absolut sehenswert.

Montag, 04.04.2011:

TELE 5, 02.00 Uhr*: 11:14 (mit Hilary Swank und Rachael Leigh Cook)
Ich mag Episodenfilme. Wenn verschiedene, scheinbar kaum verbundene Erzählstränge nach und nach zu erkennen geben, dass sie eben doch zusammenhängen, ist das immer wieder absoluter Filmgenuss. Um 23:14 Uhr verändern sich die Leben vieler Menschen in einer US-Kleinstadt. „11:14“ punktet mit guten und sehr motivierten Darstellern. Und wenngleich er nicht an Meisterwerke wie „Magnolia“ oder „L.A. Crash“ herankommt, läuft er dank seiner Kürze von nur etwa 80 Minuten nicht Gefahr, langweilig zu werden.

Dienstag, 05.04.2011:

SWR, 22.30 Uhr: Das Leben der Anderen
Ulrich Mühe († 2007) brilliert in einem der besten deutschen Filme als Stasi-Angestellter, der ein Künstlerpaar beschatten soll. Nach und nach keimen in ihm Zweifel, ob die eigentlich verbotenen Aktionen der Untersuchten nicht vielleicht doch schützenswert sein sollten. „Das Leben der Anderen“ ist einer dieser Filme, die allein durch ihre Geschichte völlig neu sind. Die große Anerkennung im Ausland und die Verleihung des Oscars als bester fremdsprachiger Film zeigen deutlich, dass man es hier mit einem Schwergewicht zu tun hat. Nicht nur Geschichtsinteressierte sollten sich dieses Drama keinesfalls entgehen lassen.

Mittwoch, 06.04.2011:

3SAT, 22.25 Uhr: Emmas Glück (mit Jürgen Vogel)
Emmas (Jördis Triebel) einzige Freunde sind die Tiere auf dem Bauernhof ihrer Eltern. Doch ihr Leben dreht sich um 180°, als Max‘ (Jürgen Vogel) Fahrt mit einem gestohlenen Wagen ein unsanftes Ende in ihrem Hof findet. Wer emotionale und gefühlvolle Dramen als Blödsinn abtut, sollte auch eine Bogen um „Emmas Glück“ machen. Alle anderen können durchaus einen Blick auf diese Empfehlung (mangels Konkurrenz) werfen.

Donnerstag, 07.04.2011:

WDR, 23.15 Uhr: Allein in vier Wänden
„Allein in vier Wänden“ ist eine einfühlsame Dokumentation über ein Jugendgefängnis im Ural, welches über einhundert Kinder beherbergt. Diese wurden aus lauter Hoffnungslosigkeit bereits in jungen Jahren zu Verbrechern und tauschen nach und nach ihre Freiheit gerne ein gegen ein beschütztes und reglementiertes Leben, in dem sie das sein dürfen, was ihnen so lange verwehrt blieb: Sie dürfen sich verhalten wie Kinder.

Freitag, 08.04.2011:

ARTE, 20.15 Uhr: Die Welle (mit Jürgen Vogel und Christiane Paul)
Das gab es noch nie und wahrscheinlich wird es sich auch nicht allzu bald wiederholen. Doch „Die Welle“ ist tatsächlich der vierte deutsche Tagestipp in Folge. Nach einer wahren Begebenheit startet ein Lehrer (Jürgen Vogel) ein Experiment mit ungeahnten Folgen. Seine Schüler wollen im Unterricht nichts mehr von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges wissen, weil sie nicht glauben, dass sich etwas Ähnliches jemals wiederholen könnte. „Die Welle“ fordert Gehorsam und bedingungslose Treue. Doch bald läuft die vorerst kleine Bewegung völlig aus dem Ruder, weil sich immer mehr Schüler - auch aus anderen Klassen - anschließen und Andersdenkende mit allen Mitteln auf ihre Seite ziehen wollen. Nur wenige können die Gefahren frühzeitig erkennen und steigen aus. Diesen Film sollte man nicht, man muss ihn sogar gesehen haben. Er wurde von Dennis Gansel hervorragend inszeniert und enthält obendrein eine enorm wichtige Botschaft. Mein Highlight der Woche.

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Der Untipp der Woche:

Wo ist Fred?
Ihr werdet es nicht glauben, aber es gibt doch tatsächlich deutsche Filme, die ich nicht empfehlen kann. Am Sonntagnachmittag zeigt SAT.1 diese Komödie um einen Bauarbeiter (Til Schweiger), der sich behindert stellt, um für das nervige Balg seiner Geliebten das Autogramm eines Stars zu ergattern. Bis auf wenige durch Christoph Maria Herbst hervorgerufene Schmunzler ist der Streifen dabei so sehr misslungen, dass es weh tut. Der Ansatz, auch Witze über und mit Behinderten zu machen, ist sicherlich lobenswert, aber die Umsetzung scheitert bereits am Casting der Hauptrolle: Til Schweiger genießt in Deutschland eine Popularität, die ich nicht mal im Ansatz nachvollziehen kann. Er spielt hier wie in allen anderen Filmen mit genau zwei Ausdrucksarten: Entweder wie ein ach so schnuckeliger Schwiegersohn oder wie ein böser, böser… Dackel - denn eigentlich nimmt man ihm das nicht ab. Er kann außerdem nicht richtig sprechen, weil er die Zähne nicht auseinander bekommt… Ich könnte noch eine Weile fortfahren, doch zurück zum Film: Der ist weder einfühlsam noch witzig und damit zu Recht der Untipp der Woche.

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Hinweis zu *: Nachtfilme zählen zu dem Tag, an dem sie beginnen. Der Filmtipp vom Montag läuft also in der Nacht von Sonntag auf Montag.


Top-Sender der Woche: PRO 7 (zwei Empfehlungen)

So, nun sind eure Tipps gefragt. Falls euch das zuviel deutsches Filmgut ist, raus mit der Sprache: Welche Programme würdet ihr den Empfohlenen vorziehen?
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